Wer in Köln-Kalk wohnt, kennt die Schlagzeilen über offenen Drogenhandel an der Trimbornstraße, Schmierereien an Ladenfassaden auf der Kalker Hauptstraße und den Ruf des Viertels als sozialer Brennpunkt.[4] Doch wie sieht das Lagebild tatsächlich aus, wenn man die offiziellen Zahlen heranzieht?
Wir haben den PKS-Jahresbericht 2025 der Polizei Köln[1] und die Strukturdaten der Stadt Köln[2] ausgewertet. Vorweg eine wichtige Einordnung: Die Polizei Köln veröffentlicht keine Kriminalstatistik auf Ebene einzelner Stadtteile. Die kleinste räumliche Einheit ist die Polizeiinspektion. Für Kalk ist das die PI 6 (Südost), die den gesamten Stadtbezirk Kalk und den Stadtbezirk Porz abdeckt. Wo es nur stadtweite Werte gibt, sagen wir das ausdrücklich.
- Wie viele Straftaten gab es 2025 in Köln und im Bereich Kalk?
- Köln-Kalk im Vergleich: So ordnet sich der Bereich Südost ein
- Die häufigsten Delikte in Köln
- Warum gilt Kalk als Brennpunkt?
- Kriminalität im Zeitverlauf
- Wer sind die Tatverdächtigen in Köln?
- Häufige Fragen zur Kriminalität in Köln-Kalk
- Quellen
Wie viele Straftaten gab es 2025 in Köln und im Bereich Kalk?
Im gesamten Stadtgebiet Köln hat die Polizei 2025 insgesamt 142.452 Straftaten[1] erfasst. Das sind 3.487 Fälle weniger als im Vorjahr (145.939 in 2024), ein Rückgang um 2,39 Prozent. Die Aufklärungsquote lag stadtweit bei 50,38 Prozent, ein Anstieg gegenüber dem Vorjahreswert von 49,06 Prozent.
Für den Raum Kalk weist die Polizei nur den Wert der PI 6 (Südost) aus, also für den Stadtbezirk Kalk zusammen mit dem Stadtbezirk Porz. Dort wurden 2025 24.506 Straftaten[1] registriert, ein Anstieg um 1,63 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das entspricht mehr als jeder sechsten Kölner Straftat.
Aussagekräftiger als die reine Fallzahl ist die Kriminalitätshäufigkeitszahl (KHZ), also die Zahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner. Stadtweit lag sie 2025 bei 11.362 (Vorjahr 11.670). Für die PI 6 lag sie mit 10.293 nur noch knapp darunter. Der Bereich rund um Kalk und Porz gehört damit nicht mehr zu den am geringsten belasteten Inspektionsbereichen Kölns, sondern liegt inzwischen im oberen Mittelfeld, auch weil der Stadtteil Kalk selbst innerhalb dieses Bereichs als Schwerpunkt gilt.
Warum gibt es keine Zahlen nur für den Stadtteil Kalk?
Die Polizei Köln führt ihre Kriminalstatistik nach Polizeiinspektionen, nicht nach den 86 Stadtteilen.[1] Für den Stadtteil Kalk allein liegen deshalb keine offiziellen Fallzahlen vor. Die nächstkleinere belastbare Ebene ist die PI 6 (Südost) mit den Stadtbezirken Kalk und Porz. Alle Stadtteil-Zahlen in diesem Artikel stammen aus der amtlichen Bevölkerungsstatistik der Stadt Köln[2] und beschreiben die Sozialstruktur, nicht die Kriminalität.
Köln-Kalk im Vergleich: So ordnet sich der Bereich Südost ein
Im Ranking der Kölner Polizeiinspektionen nach Häufigkeitszahl liegt die PI 6 (Südost) 2025 mit 10.293 Straftaten pro 100.000 Einwohner im oberen Mittelfeld, nur noch knapp hinter der PI 4 (Nordwest).[1] Mit Abstand am stärksten belastet ist weiterhin die PI 1 (Mitte) mit der Altstadt und der Neustadt, wo allein die hohe Tagesfrequenz, der Tourismus und das Nachtleben für eine KHZ von über 34.000 sorgen.
| Rang | Polizeiinspektion (Bereich) | Fälle 2025 | KHZ je 100.000 Einwohner |
|---|---|---|---|
| 1 | PI 5 (Nordost) Stadtbezirk Mülheim, Deutz | 14.912 | 6.899 |
| 2 | PI 2 (Südwest) Rodenkirchen, Sülz, Lindenthal, Zollstock | 14.016 | 7.303 |
| 3 | PI 3 (West) Ehrenfeld, Lindenthal, Junkersdorf | 15.781 | 8.358 |
| 4 | PI 6 (Südost) Stadtbezirk Kalk und Porz | 24.506 | 10.293 |
| 5 | PI 4 (Nordwest) Chorweiler, Nippes, Bilderstöckchen | 17.675 | 10.629 |
| 6 | PI 1 (Mitte) Altstadt, Neustadt | 32.100 | 34.056 |
Wichtig: Diese Zahlen gelten für ganze Inspektionsbereiche. Innerhalb der PI 6 ist die Belastung sehr ungleich verteilt. Die ruhigen Wohn- und Außenlagen in Porz und im Kalker Osten (Brück, Rath/Heumar, Merheim) drücken den Schnitt, während sich rund um den Kalker Zentrum mit Kalker Hauptstraße, Trimbornstraße und den Kalk Arcaden ein klarer Schwerpunkt zeigt. Eine exakte Quote nur für den Stadtteil Kalk veröffentlicht die Polizei aber nicht.
Die häufigsten Delikte in Köln
Wie überall macht Diebstahl auch in Köln den mit Abstand größten Anteil aus. Die folgende Übersicht zeigt die stadtweiten Fallzahlen 2025 und die Veränderung gegenüber 2024. Sie geben einen guten Eindruck davon, welche Delikte den Alltag prägen, auch wenn sie nicht auf Kalk allein heruntergerechnet werden können.
| Delikt (Stadtgebiet Köln) | Fälle 2025 | Veränderung zu 2024 |
|---|---|---|
| Diebstahl insgesamt | 57.226 | -9,64 % |
| davon einfacher Diebstahl | 32.909 | -13,91 % |
| davon Ladendiebstahl | 10.196 | -12,37 % |
| davon Taschendiebstahl | 5.548 | -30,67 % |
| davon Fahrraddiebstahl | 6.858 | -6,68 % |
| Körperverletzungsdelikte | 15.506 | +2,14 % |
| davon gefährliche und schwere KV | 4.312 | -3,71 % |
| Betrugsdelikte | 16.882 | +8,96 % |
| Sachbeschädigung | 11.501 | +5,21 % |
| davon durch Graffiti | 2.195 | +2,76 % |
| Diebstahl an oder aus Kfz | 8.135 | -17,81 % |
| Stalking, Nötigung, Bedrohung | 5.731 | -6,36 % |
| Rauschgiftdelikte | 3.924 | -24,33 % |
| Wohnungseinbruch | 2.621 | -20,33 % |
| davon Tageswohnungseinbruch | 1.110 | -19,91 % |
| Raubdelikte | 1.264 | -13,01 % |
| davon Straßenraub | 653 | -21,33 % |
| Sexualdelikte | 2.624 | +6,84 % |
| Straftaten gegen das Leben | 41 | +13,89 % |
Was hinter den nüchternen Zahlen steckt:
- Diebstahl dominiert weiterhin, geht aber deutlich zurück. Mit 57.226 Fällen ist rund jede vierte Kölner Straftat ein Diebstahl, das sind 9,64 Prozent weniger als 2024. Besonders stark sank der Taschendiebstahl (-30,67 Prozent), der typischerweise in Lagen mit viel Publikumsverkehr wie der Kalker Hauptstraße oder den Kalk Arcaden anfällt.
- Wohnungseinbruch geht deutlich zurück. 2.621 Fälle bedeuten ein Minus von 20,33 Prozent gegenüber 2024, beim Tageswohnungseinbruch sogar minus 19,91 Prozent. Nach dem starken Anstieg im Vorjahr hat sich die Lage damit spürbar entspannt.
- Rauschgiftdelikte sinken weiter. Der Rückgang um 24,33 Prozent setzt den Trend der Vorjahre fort, nachdem die Teillegalisierung von Cannabis viele frühere Besitzdelikte entfallen ließ. Der offen sichtbare Straßenhandel, etwa an der Trimbornstraße, prägt das subjektive Sicherheitsgefühl in Kalk dennoch weiter.
- Betrug und Sachbeschädigung steigen. Plus 8,96 Prozent bei Betrugsdelikten und plus 5,21 Prozent bei Sachbeschädigung, plus 2,76 Prozent bei Graffiti. Gerade Gewerbelagen in Kalk sind hier regelmäßig betroffen.
Warum gilt Kalk als Brennpunkt?
Auch wenn es keine Stadtteil-Kriminalstatistik gibt, lässt sich der Ruf von Kalk an der Sozialstruktur ablesen, die die Stadt Köln jährlich veröffentlicht. Kalk ist mit rund 25.718 Einwohnern[2] auf nur 2,97 Quadratkilometern einer der am dichtesten besiedelten Stadtteile Kölns. Der Ausländeranteil liegt mit 40,4 Prozent mehr als doppelt so hoch wie im Kölner Schnitt, die Arbeitslosenquote und der Anteil der Bedarfsgemeinschaften nach SGB II liegen deutlich über dem Stadtmittel. Kalk zählt seit Jahren zu den Gebieten mit besonderem Entwicklungsbedarf.[2]
Diese Werte erklären keine Straftaten, ordnen aber ein, warum sich Wahrnehmung und Schlagzeilen auf Kalk konzentrieren. Wer mehr zur Bevölkerung erfahren will, findet die Details bei den Einwohnerzahlen von Kalk und der Geschichte des einstigen Industriestandorts. Zur Einordnung der einzelnen Stadtteile im Bezirk hilft der Vergleich des Ausländeranteils:
| Stadtteil im Bezirk Kalk | Ausländeranteil 2024 |
|---|---|
| Kalk | 40,4 % |
| Höhenberg | 38,2 % |
| Humboldt-Gremberg | 36,2 % |
| Vingst | 33,7 % |
| Neubrück | 33,4 % |
| Ostheim | 32,9 % |
| Merheim | 20,0 % |
| Brück | 13,3 % |
| Rath/Heumar | 13,2 % |
Kalk führt diese Liste an, dicht gefolgt von Höhenberg und Humboldt-Gremberg. Die östlichen Stadtteile Brück und Rath/Heumar liegen dagegen auf einem Niveau, das eher gutbürgerlichen Außenlagen entspricht. Genau diese Spannweite verschwindet, wenn man nur die PI 6 als Ganzes betrachtet.
Kriminalität im Zeitverlauf
Stadtweit sind die Fallzahlen nach dem Corona-Tief 2021 (119.473 Fälle) zunächst kräftig gestiegen und haben 2023 mit 149.970 Straftaten einen Höchststand erreicht. 2024 und 2025 ging die Zahl zwei Jahre in Folge zurück, zuletzt auf 142.452 Fälle.
Erfasste Straftaten im gesamten Stadtgebiet Köln pro Jahr. Quelle: PKS-Jahresbericht 2025, Polizei Köln.
Pro Kopf zeigt sich ein gemischteres Bild: Die Häufigkeitszahl sank von 11.670 im Jahr 2024 auf 11.362 in 2025.[1] Im Bereich der PI 6 (Südost) stieg die Fallzahl 2025 dagegen um 1,63 Prozent. Der Bereich rund um Kalk und Porz hat sich damit von einem der ruhigeren Inspektionsbereiche zu einem der stärker belasteten entwickelt und liegt inzwischen nur noch knapp unter dem Kölner Durchschnitt.
Wer sind die Tatverdächtigen in Köln?
Hinweis zur Datenebene
Die Polizei Köln veröffentlicht Tatverdächtigen-Zahlen nur stadtweit, nicht für einzelne Inspektionen oder Stadtteile. Die folgenden Werte gelten für das gesamte Stadtgebiet Köln 2025 und lassen sich nicht auf Kalk übertragen.[1]
2025 hat die Polizei Köln 46.926 Tatverdächtige ermittelt, 2.165 weniger als im Vorjahr (49.091). Die Verteilung nach Staatsangehörigkeit:
| Tatverdächtige (Stadtgebiet Köln) | 2025 | 2024 |
|---|---|---|
| Tatverdächtige gesamt | 46.926 | 49.091 |
| davon deutsche Tatverdächtige | 26.097 (55,6 %) | 25.822 |
| davon nichtdeutsche Tatverdächtige | 20.829 (44,4 %) | 23.269 |
Bei allen Delikten, einschließlich ausländerrechtlicher Verstöße, waren 2025 stadtweit 55,6 Prozent der Tatverdächtigen Deutsche und 44,4 Prozent Nichtdeutsche.[1] Bei den Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße lag der nichtdeutsche Anteil dagegen bei 40,67 Prozent. Diese Anteile lassen sich nicht eins zu eins auf Kalk übertragen und müssen vorsichtig gelesen werden.
Wichtige methodische Einschränkungen
Die Zahlen sollten ohne diese Einordnungen nicht weitergegeben werden:
- Tatverdächtige sind keine verurteilten Täter. Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst Verdachtsfälle nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen.[3] Bis zu einem Urteil gilt jeder Tatverdächtige als unschuldig.
- "Nichtdeutsch" meint die Staatsangehörigkeit, nicht den Migrationshintergrund. Ein in Köln geborener Mensch mit deutschem Pass zählt als deutscher Tatverdächtiger, auch wenn die Familie eingewandert ist.
- Touristen und Reisende sind enthalten. Wer als Tourist beim Ladendiebstahl erwischt wird, taucht in der Kölner Statistik auf, obwohl er anderswo wohnt. In einer Tourismus- und Messestadt wie Köln fällt das ins Gewicht.
- Demografische Effekte sind groß. Junge Männer sind die statistisch am stärksten belastete Gruppe. Wo der Anteil junger Männer höher ist, ergeben sich rechnerisch höhere Tatverdächtigenzahlen, ohne dass das etwas über einzelne Personen aussagt.
- Das Anzeigeverhalten ist nicht neutral. Nicht jede Straftat wird angezeigt. Anzeigequoten unterscheiden sich nach Delikt, Wohnviertel und sozialem Umfeld und beeinflussen, welche Fälle überhaupt in die Statistik einfließen.
Häufige Fragen zur Kriminalität in Köln-Kalk
Gibt es eine eigene Kriminalstatistik für den Stadtteil Kalk?
Nein. Die Polizei Köln veröffentlicht keine Fallzahlen auf Stadtteilebene. Die kleinste räumliche Einheit ist die Polizeiinspektion. Für Kalk ist das die PI 6 (Südost), die den gesamten Stadtbezirk Kalk und den Stadtbezirk Porz umfasst. Für diesen Bereich wurden 2025 insgesamt 24.506 Straftaten registriert.
Wie sicher ist der Bereich Kalk im Kölner Vergleich?
Die PI 6 (Südost) liegt mit einer Häufigkeitszahl von 10.293 Straftaten pro 100.000 Einwohner mittlerweile knapp unter dem Kölner Schnitt von 11.362 und im oberen Mittelfeld aller Inspektionen. Am stärksten belastet ist die Kölner Innenstadt (PI 1 Mitte) mit einer KHZ von über 34.000. Innerhalb der PI 6 ist die Belastung allerdings ungleich verteilt, mit einem Schwerpunkt im Stadtteil Kalk.
Wie viele Straftaten gab es 2025 insgesamt in Köln?
Im gesamten Stadtgebiet Köln wurden 2025 insgesamt 142.452 Straftaten erfasst, 2,39 Prozent weniger als 2024. Die Aufklärungsquote lag bei 50,38 Prozent, die Häufigkeitszahl bei 11.362 Straftaten pro 100.000 Einwohner.
Welche Delikte nehmen in Köln zu?
Stadtweit am stärksten gestiegen sind 2025 die Betrugsdelikte (plus 8,96 Prozent), die Sachbeschädigung (plus 5,21 Prozent) und die Straftaten gegen das Leben (plus 13,89 Prozent, bei einer niedrigen Fallzahl von 41). Deutlich gesunken sind dagegen die Rauschgiftdelikte (minus 24,33 Prozent), der Wohnungseinbruch (minus 20,33 Prozent) und der Straßenraub (minus 21,33 Prozent).
Warum gilt Kalk als sozialer Brennpunkt?
Der Ruf hängt weniger an den nicht vorhandenen Stadtteil-Kriminalzahlen als an der Sozialstruktur. Kalk hat mit 40,4 Prozent den höchsten Ausländeranteil unter den Stadtteilen des Bezirks, eine überdurchschnittliche Arbeitslosigkeit und eine sehr hohe Bevölkerungsdichte. Der Stadtteil zählt zu den Kölner Gebieten mit besonderem Entwicklungsbedarf. Diese Faktoren prägen Wahrnehmung und Berichterstattung stärker als die reine Statistik.
Wie hoch ist der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger in Köln?
Bei den Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße lag der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger 2025 stadtweit bei 40,67 Prozent, leicht niedriger als im Vorjahr (42,3 Prozent). Einschließlich ausländerrechtlicher Verstöße, die nur Nichtdeutsche begehen können, lag der Anteil 2025 bei 44,4 Prozent (Vorjahr 47,4 Prozent).[1] Wichtig: Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst nur die Staatsangehörigkeit, nicht den Migrationshintergrund, enthält auch Touristen und Reisende, und der Wert gilt für die Gesamtstadt, nicht speziell für Kalk.
Wie hat sich die Kriminalität in Köln über die letzten Jahre entwickelt?
Nach dem Corona-Tief 2021 (119.473 Fälle) stiegen die Zahlen bis 2023 auf einen Höchststand von 149.970 Straftaten. 2024 und 2025 ging die Gesamtkriminalität zwei Jahre in Folge zurück, zuletzt auf 142.452 Fälle. Pro Kopf sank die Häufigkeitszahl von 11.670 (2024) auf 11.362 (2025). Im Bereich der PI 6 mit Kalk und Porz stieg die Fallzahl 2025 dagegen um 1,63 Prozent.